Bruchmechanik
Bruchmechanische Werkstoffcharakterisierung zur Überwachung der Neutronenversprödung von Reaktordruckbehältern für den Langzeitbetrieb von Kernkraftwerken): Der RDB altert vor allem in Form von Versprödung, welche durch die Neutronenbestrahlung hervorgerufen wird. Deshalb müssen die Materialeigenschaften des RDB im Rahmen derÜberwachung durchgängig gemessen und bewertet werden. In den laufenden Anlagen bestehen die Überwachungsprogramme aus Proben des Grundwerkstoffs und der Schweissmaterialien des RDB. Diese Proben werden mit mechanischen und bruchmechanischen Werkstoffprüfverfahren geprüft. Bei der klassischen Methode zur Bewertung der Neutronenversprödung, dem RTNDT-Konzept, wird eine materialspezifische Referenztemperatur und deren bestrahlungsinduzierte Verschiebung zur Justierung einer universellen Bruchzähigkeitskurve ermittelt. Die Bewertung basiert auf Messwerten aus dem Kerbschlagbiegeversuch.
In der im Oktober 2009 abgeschlossenen Projektphase wurde eine alternative Methode untersucht, die bereits in den USA als Standard (ASTM E1921) verwendet wird. Dieses so genannte Masterkurve(MC)-Konzept beschreibt die Temperaturabhängigkeit der Bruchzähigkeit KJc im spröd-duktilen Übergangsbereich ferritischer Stähle auf probabilistischer Grundlage. Sie basiert auf einerstatistisch definierten Universalkurve, die mit einer Referenztemperatur T0 werkstoffspezifisch justiert werden kann. Dabei wird T0 direkt aus bruchmechanischen Versuchen mit Kleinproben ermittelt. Die Untersuchungen konnten zeigen, dass die MC-Referenztemperatur T0 mit guter Genauigkeit weitgehend unabhängig von der Probengrösse und Risslänge bestimmt werden kann. Differenzen von T0 von ca. 15 Kelvin ergaben sich bei der Verwendung von verschiedenen Probentypen, Biegeproben und Kompaktzugproben. Dieser Unterschied ist je nach Probentyp bei der Festlegung der unteren Grenzkurve der Bruchzähigkeit zu berücksichtigen. Mit dem MC-Konzept steht eine alternative bruchmechanische Methode zur Verfügung, die im Rahmen des Sprödbruch-Sicherheitsnachweises angewendet werden kann. Der Vorteil der Methode besteht in der Übertragbarkeit der T0-Bestimmung auf grosse Bauteile und der Verwendung von Kleinproben, die in den Bestrahlungskapseln im Reaktor vorhanden sind. Die Ergebnisse gehen in das neue Regelwerk des ENSI ein.

Vergleich der T0d-Auswertung nach HSK-AN425 Rev. 5 und nach ISO/FDIS 26843/ASTM E 1921-09a, KJC(1T) und MC für 5%, 50% und 95% Bruchwahrscheinlichkeit.
