BAG stellt höheren Tritiumwert im Sickerwasser bei Lucens fest

Das Bundesamt für Gesundheit BAG stellt seit Ende 2011 eine erhöhte Konzentration von Tritium fest. Trotz dieser Erhöhung liegt der Wert deutlich unter dem Grenzwert der Strahlenschutzverordnung. Gemäss Medienmitteilung des BAG besteht für die Bevölkerung kein Grund zur Besorgnis.

Das Communiqué des BAG im Wortlaut:

In der ehemaligen Versuchsreaktoranlage in Lucens VD wird bei den Entwässerungsanlagen seit Ende 2011 eine erhöhte Konzentration des radioaktiven Isotops Tritium gemessen. Die Konzentration im Sickerwasser erreichte einen Wert von bis zu 230 Becqerel pro Liter (Bq/L). Dieser Wert liegt deutlich unter dem Grenzwert der Strahlenschutzverordnung StSV von 12‘000 Bq/L. Für Umwelt und Bevölkerung besteht deshalb kein Grund zur Besorgnis. Das BAG verfolgt die Situation und die Entwicklung aufmerksam und wird entsprechende Massnahmen ergreifen.

Das Bundesamt für Gesundheit BAG, zuständig für die Überwachung der Umweltradioaktivität in der Schweiz, ist daran, den Grund für die erhöhte Tritiumkonzentration im Sickerwasser im Detail abzuklären. Die Entwässerungsanlagen in Lucens werden verstärkt überwacht. Zusätzlich werden aus dem Fluss La Broye Wasserproben entnommen sowie Messungen an Wasserpflanzen und Umwelt durchgeführt und analysiert. Das BAG wird die kantonalen und lokalen Behörden sowie die Öffentlichkeit über die Ergebnisse der neuen Messungen und Abklärungen zu gegebener Zeit oder spätestens in einem Monat weiter informieren.

Gemäss seinem Auftrag führt das BAG in den Entwässerungsanlagen der ehemaligen Versuchsreaktoranlage Lucens seit 1995 regelmässig Messungen durch und orientiert die kantonalen und lokalen Behörden. Gemessen werden Cäsium 137Cs und 134Cs, sowie das Cobaltisotop 60Co, Tritium-3H und Strontium 90. Zwischen 2001 und 2010 wurde in den Wasserproben durchschnittlich eine Tritiumkonzentration von 15 Bequerel pro Liter (Bq/L) gemessen. Seit 2010 gab es vereinzelt leicht erhöhte Werte. Signifikant zugenommen haben die Werte aber erst seit Ende 2011 (bis zu 230 Bq/L).

Im unterirdischen Versuchsreaktor kam es 1969 noch während des Baus zur Teilschmelze eines Brennelementes, was im Reaktorkern zu schweren Schäden führte. Der Reaktor wurde stillgelegt, abgebaut und die unterirdischen Räume soweit möglich dekontaminiert. Reste von Radioaktivität blieben jedoch in der Anlage zurück. 1992 wurden die betroffenen Bereiche teilweise zubetoniert; 1995 wurde die Anlage aus dem Zuständigkeitsbereich der Kernenergiegesetzgebung ausgegliedert. Seither ist das BAG für die Überwachung der Umweltradioaktivität in Lucens zuständig.

Für Rückfragen: Bundesamt für Gesundheit, Kommunikation, Tel. 031 322 95 05, media@bag.admin.ch

 

Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI veröffentlicht am Donnerstag, 12. April 2012, den ersten Teil seiner umfassenden zehnteiligen Artikelserie zum Versuchsatomkraftwerk Lucens. Darin kann neben vielen anderen interessanten Hintergrundinformationen nachgelesen werden, wo die Schweizer Kernenergie ihren Ursprung fand und wie es zum schwersten Reaktorunfall auf schweizerischem Boden kam.