Geologische Tiefenlager

Geologisches Tiefenlager

Um den dauerhaften Schutz für Mensch und Umwelt vor radioaktiven Abfällen zu gewährleisten, hat sich für die sichere Entsorgung der radioaktiven Abfälle das Konzept der Tiefenlagerung in tiefen geologischen Formationen durchgesetzt. Damit können die radioaktiven Abfälle langfristig – das bedeutet über viele Jahrtausende – vom menschlichen Lebensraum ferngehalten werden. In der Schweiz erfolgt die Entsorgung aller radioaktiven Abfälle gemäss den behördlichen Anforderungen, so schreibt das Kernenergiegesetz (KEG) die Entsorgung dieser Abfälle in geologischen Tiefenlagern vor. Die 1999 eingesetzte Expertengruppe für radoaktive Abfälle (EKRA) kommt zum Schluss, dass die geologische Tiefenlagerung die einzige sichere langfristige Lagerung darstellt. Ähnliche Konzepte wie das schweizerische Entsorgungskonzept werden auch in anderen Ländern verfolgt (USA, Frankreich, Finnland etc.).

Wie ein geologisches Tiefenlager funktioniert

Ein geologisches Tiefenlager ist eine Anlage im geologischen Untergrund, die verschlossen werden kann, sofern der dauernde Schutz von Mensch und Umwelt durch passive Barrieren sichergestellt wird. In tiefen, stabilen geologischen Formationen sind die Vorgänge und die Stoffkreisläufe nach menschlichem Ermessen extrem langsam: Sie erstrecken sich über geologische Zeiträume, d.h. über Millionen von Jahren. Damit können die radioaktiven Abfälle langfristig vom menschlichen Lebensraum ferngehalten werden.

Ein geologisches Tiefenlager umfasst mehrfache und verschiedenartige technische und natürliche Barrieren. Diese Barrieren sollen den Einschluss und die Rückhaltung der Abfälle bewerkstelligen. Sie müssen passiv funktionieren, d.h. ohne Notwendigkeit von Überwachung und Instandhaltung. Eine Überwachung ist aber für den Bau, den Betrieb und eine allfällige Beobachtungsphase nach dem Verschluss des Lagers vorgeschrieben.

Ein geologisches Tiefenlager wird so ausgelegt, dass die eingelagerten radioaktiven Abfälle im Laufe der Zeit mehrheitlich innerhalb des Lagers zu unschädlichen Stoffen zerfallen. Ein absoluter Einschluss sämtlicher Abfälle über alle Zeiten ist nicht möglich und auch nicht nötig. Das gesamte Lagersystem mit den technischen und natürlichen Barrieren muss aber gewährleisten, dass Radionuklide oder andere Schadstoffe nur in nicht schädlicher Menge in den menschlichen Lebensraum geraten können. Mit einer Sicherheitsanalyse muss dies glaubhaft nachgewiesen werden. Dabei sind alle denkbaren zukünftigen Einwirkungen auf das Lagersystem zu betrachten.

Ein geologisches Tiefenlager besteht aus einem Felslabor, einem Pilotlager und dem Hauptlager. Vor Baubeginn wird am Ort des zukünftigen Tiefenlagers ein Felslabor eingerichtet. In diesem Labor können Experimente unmittelbar am Wirtgestein durchgeführt und die Eigenschaften des Standortgebiets überprüft werden. Erst wenn die gewonnenen Daten die hohen Sicherheitsanforderungen bestätigen, beginnt der Bau der weiteren Lagerteile (zuerst Pilotlager, dann Hauptlager). Im Pilotlager werden die für das Tiefenlager repräsentativen Abfälle eingelagert und über einen längeren Zeitraum überwacht. Sowohl im Felslabor als auch im Pilotlager können wichtige Annahmen und Parameter, die dem Lager- und Barrierenkonzept zu Grunde liegen, überprüft werden. Nachdem das Pilotlager verfüllt wurde, beginnt die Einlagerung der radioaktiven Abfälle im Hauptlager.

Zwei Lager für radioaktive Abfälle

In der Schweiz werden zwei geologische Tiefenlager realisiert: Eines für schwach- und mittelaktive Abfälle (SMA-Lager) und eines für hochaktive Abfälle (HAA-Lager), in das auch langlebige mittelaktive Abfälle eingelagert werden. Auch ein Kombilager ist möglich. Dabei handelt es sich um zwei räumlich getrennte Lagerbereiche für hochaktive sowie schwach- und mittelaktive Abfälle, die eine gemeinsame Anlage an der Oberfläche nutzen.

Langer Weg zum Tiefenlager

Ein wichtiger Schritt zur Schaffung eines geologischen Tiefenlagers in der Schweiz ist die Suche nach geeigneten Standorten. Diese Standortsuche wird mit dem so genannten «Sachplan geologische Tiefenlager» geregelt. Ist ein geeignetes Standortgebiet gefunden, ist es aber noch ein langer Weg, bis ein Tiefenlager gebaut, die radioaktiven Abfälle eingelagert und schliesslich alle Zugänge wieder vollständig verschlossen sein werden. Meilensteine auf diesem Weg sind verschiedene Bewilligungsschritte, die den Bau, den Betrieb, die Beobachtungsphase und den Verschluss umfassen.

News

Die Sondierbohrungen werden die erforderlichen Informationen für die spätere Beurteilung der Sicherheit der geologischen Tiefenlager Jura Ost und Zürich Nordost für nukleare Abfälle liefern, ohne die Umwelt zu beeinträchtigen. Zu diesem Fazit kommt das ENSI in seinen sicherheitstechnischen Gutachten.

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Das internationale Felslabor Mont Terri im Kanton Jura soll erweitert werden, um unter anderem mehr Platz für Forschungsprojekte im Zusammenhang mit der geologischen Tiefenlagerung für radioaktive Abfälle zu schaffen. Auch das ENSI ist mit Projekten am Felslabor beteiligt.

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Die Expertengruppe Geologische Tiefenlagerung (EGT) hat die Dokumentation der Nagra zuhanden des ENSI geprüft und bestätigt, dass die Daten für die Einengung auf zwei Standortgebiete nicht reichen. Simon Löw, Professor für Ingenieurgeologie am Geologischen Institut der ETH Zürich und Präsident der EGT, erläutert die Hintergründe der EGT-Stellungnahme.

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Die Bewertung der Nagra ist unter Berücksichtigung der bestehenden Ungewissheiten gültig. In einzelnen Punkten kommt das ENSI zu einer Beurteilung, die von jener der Nagra abweicht. Diese Abweichungen betreffen unter anderem die Beurteilung der maximalen Tiefenlage und des Platzangebots die eine besondere Relevanz für die Beurteilung des Standortgebiets Nördlich Lägern haben.

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