Transmutation und Tiefenlagerung

Radioaktivität baut sich durch natürlichen Zerfall – je nach Radionuklid – über kürzere oder längere Zeiten ab. Durch Transmutation liessen sich langlebige Radionuklide in kurzlebige umwandeln. Dieser Vorgang wird im Hinblick auf die Entsorgung radioaktiver Abfälle international erforscht. Um den dauerhaften Schutz von Mensch und Umwelt zu gewährleisten, bleibt die Notwendigkeit für die geologische Tiefenlagerung bestehen.

Ziel der Transmutation ist es, die gesundheitsschädlichen Auswirkungen der Strahlung hochaktiver Abfälle zu reduzieren. Dies soll durch die gezielte Umwandlung von langlebigen in kurzlebige Radionuklide erreicht werden. Dadurch müssten die Abfälle weniger lange im geologischen Tiefenlager eingeschlossen werden. Auch die Wärmeproduktion der resultierenden Abfälle könnte dadurch verringert werden. Daher könnte die Gesamtlänge der Lagerstollen – abhängig von der geologischen Situation, der Lagerauslegung und der Zwischenlagerungszeit – optimiert werden.

 

Anforderung an Brennstoffkreisläufe

Transmutation erfordert Brennstoffkreisläufe mit Abtrennung und Wiederaufarbeitung. Dabei werden bestimmte Elemente aus dem verbrauchten Brennstoff abgetrennt. Anschliessend können sie in dafür ausgelegten Reaktoren wiederverwendet oder in anderen speziell für diesen Zweck ausgelegten Anlagen umgewandelt werden. In der Schweiz besteht zurzeit ein Moratorium für die Wiederaufarbeitung von Brennelementen.

 

Grosstechnische Machbarkeit international noch nicht erwiesen

Nach heutigem Wissensstand kann Transmutation die Radiotoxizität der Abfälle nicht vollständig eliminieren. Nicht für alle Radionuklidsorten gibt es geeignete Transmutationsverfahren. Es laufen Forschungsprojekte zur Transmutation auf internationaler Ebene – der Nachweis der grosstechnischen Machbarkeit steht jedoch noch aus. Auch nach erfolgter Anwendung der Transmutation würden radioaktive Abfälle übrig bleiben, die nach dem Stand von Wissenschaft und Technik entsprechend den Anforderungen der Gesetzgebung in einem geologischen Tiefenlager entsorgt werden müssten.

Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI hat sich auf Grund einer Frage, die an das Technische Forum Sicherheit TFS gestellt wurde, eingehender mit dieser Thematik befasst und dazu ein Faktenblatt erstellt. Im Rahmen des Sachplans geologische Tiefenlager wird dieses Forum eingesetzt, um sicherheitstechnische Fragen aus der Bevölkerung entgegenzunehmen, zu diskutieren und zu beantworten.